Zukunftstag

Eine Reise an den stinkigsten Ort der Stadt

Ein Team junger Reporter hat anlässlich des Zukunftstages für uns die Nasen in die Kehrichtverwertungsanlage Winterthur gehalten. Was sie dabei alles erlebt haben.

Die Jung-Reporter haben von Ihrem Einsatz auch ein Video gedreht und geschnitten.

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Es riecht sauer. In der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) stinkt es überall, einfach in jedem Raum ein bisschen anders. Manchmal stärker und manchmal weniger stark, aber es stinkt. Die Mitarbeiter sagen, dass sie sich an den Geruch gewöhnt haben ­(siehe Interview) und dass es ihnen nicht mehr so auffällt. Schwierig vorzustellen.

Es ist eine riesengrosse Anlage, durch die Peter Riesen, ein Mitarbeiter der KVA, unsere Zeitungsgruppe des Zukunftstages heute, ausgerüstet mit Helmen und Kopfhörern, führt.

Die Helme braucht es aus Sicherheitsgründen: Man könnte sich den Kopf anschlagen an den riesigen Rohren und Geräten, die überall anzutreffen sind. Die Kopfhörer sind nötig, weil man die Informationen so besser hört, in den Räumen gibt es einen Riesenlärm. Und unangenehme Temperaturen: Mal schwitzt man hier, dann friert es einen.

Einen Raum heizt der Dampf auf bis zu 70 Grad, wie in der Sauna ist es da. Erstaunlich ist es dafür, dass alles trotz so viel Müll schön ordentlich und ge­regelt ist in der KVA.

Mehr Müll als Mitarbeiter

Obwohl die KVA so gross ist, trifft man sehr selten auf jemanden. Es gibt deutlich mehr Müll als Mitarbeiter. Die Maschinen erledigen den Grossteil der Arbeit: Der Abfall wird in Lastwagen gebracht, siebzehn pro Stunde. Täglich sind das etwa 600 und jährlich etwa 200 000 Tonnen, die hier verbrannt werden.

Kaum vorstellbar, wie es früher auf der ganzen Welt gestunken haben muss.

Der Abfall wird nach seiner Ankunft von einer Zange geschnappt, sechs Tonnen auf einmal. Der Greifer mischt den Müll ordentlich durch. Er vermag mit einem Griff ganze sechs Tonnen zu fassen, seine Zange wiegt selbst vier Tonnen, hängt aber nur an sechs dünnen Drahtseilen. Der Kranführer arbeitet sechs Stunden am Tag.

Berge von Plastik und Stoff

In dem Müllhaufen sieht man ganz viele Dinge wie Holzpaletten, Berge von Plastik und Stoff. Es gab schon Brände wegen Batterien oder Handyakkus, die jemand einfach in den Abfall geworfen hatte. Der letzte grosse Brand fand 2014 statt. Niemandem ist aber etwas passiert.

Der Greifer also packt den Müll und wirft ihn in ein Feuer. Ein Ofen muss circa alle 30 Jahre ­ersetzt werden.

Der Ofenboden ist nicht gerade, sondern schräg, sodass die geschmolzenen und verbrannten Sachen nach unten rutschen und ins Wasser fallen, da werden sie von einem Laufband aufgenommen und wegtransportiert. Der Ort, in dem der Müll verbrannt wird, ist klein. Die Anlage, die den Rauch reinigt, damit keine giftigen Gase in die Luft gelangen, ist sehr viel grösser. Dass kaum etwas vom Gift nach aussen gelangt, das merkt man schon, wenn man ankommt: Es stinkt nämlich erst drinnen.

Der ganze Aufwand wird betrieben, damit es nicht stinkt und um die Stadt mit Warmwasser und Strom zu versorgen (siehe Kasten). Rund ein Fünftel der Versorgung macht die KVA in Winterthur aus. Die erste Verbrennungsanlage gab es übrigens in London vor 150 Jahren. Kaum vorstellbar, wie es früher auf der ganzen Welt gestunken haben muss.

Strassenumfrage: Wie entsorgen Sie Abfall?

(Der Landbote)

Erstellt: 09.11.2018, 11:04 Uhr

Interview

«Man gewöhnt sich an alles»

Warum arbeiten Sie hier?
Peter Riesen: Hier hat man viel mit Dampf und Hydraulik zu tun. Das ist für mich als gelernten Mechaniker spannend.

Stinkt es Ihnen manchmal, dass es hier stinkt?
Man gewöhnt sich an alles.

Was ist hier das Coolste?
Es wird nie langweilig, weil immer etwas los ist.

Was ist Ihre grösste eigene Abfallsünde?
Oh, da muss ich wohl etwas ver­raten. Also, ich habe auch schon Batterien in den Abfall geworfen.

Was ist denn überhauptdas Schädlichste, das manin den Abfall werfen kann?
Schlimm sind Handyakkus, weil ihr Innenleben Brände auslösen kann, wenn sie vom Greifkran gepackt und kaputt gemacht werden. Das ist sehr gefährlich. Es hat deswegen in den letzten Jahren mehr Brände gegeben.

Ist es für Sie gefährlicher, dass es hier brennen könnte oder dass es so viele giftige Stoffein der Luft hat?
Eigentlich beides. Aber wir kommen nicht in Berührung mit den Chemikalien. Ich habe in den 15 Jahren, in denen ich hier arbeite, jedenfalls noch nie Kopfweh bekommen.

Was sind das eigentlichfür Projekte, die Sie als Projekt­leiter so leiten?
Alle möglichen. Zum Beispiel Umbauten. Ich habe sechs Jahre lang als Schichtleiter des Bedienpersonals gearbeitet. Manchmal mache ich das noch immer.

Interview: Emilie Bächtold, Mira Huggenberg

Infobox

Fakten zum Gestank

In einem Mülltransporter ­haben 10 Tonnen Abfall Platz. Solche Lastwagen bringen Müll in eine Abfallgrube. Von dort aus kommt er in einen Ofen. In diesem Ofen werden an einem einzigen Tag ganze 600 und in einem Jahr ganze 200 000 Tonnen Abfall verbrannt.

Rund 30 Stunden dauert es, bis 600 Tonnen verbrannt sind. Im Kessel, wo der Abfall verbrannt wird, wird es bis zu 950 Grad heiss. Das merkt man an der heissen Luft in manchen Räumen. Die Hitze wird auch genutzt, um die Stadt Winterthur mit Warmwasser und Strom zu beliefern.

Rund alle 30 Jahre werden die fleissigen Öfen ausgetauscht. Das, was nach dem Verbrennen von dem Müll übrig bleibt, heisst Schlacke. Pro Tonne Müll gibt es 300 Kilogramm Schlacke. Eine Tonne Abfall entspricht der Energie von 300 Litern Heizöl. 15 Prozent des Wärme- und 20 Prozent des Strombedarfes in Winterthur wird durch die Kehrichtverwertungsanlage abgedeckt.

In der ganzen Anlage arbeiten nur 40 Leute. Das sind sehr ­wenige für so eine riesengrosse Müllverbrennung. Die Hälfte von ihnen bedient das Kraftwerk. Vor rund 150 Jahren wurde in London die erste Kehrichtverbrennungsanlage gebaut, heute gibt es 19 davon in der ganzen Schweiz. In Winterthur ist es das sechstgrösste Kraftwerk, Winterthur ist ja auch die sechstgrösste Stadt der Schweiz.

Babette Niederberger

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