Winterthur

Die Jungbürgerfeier erfindet sich neu

Jungbürger für Politik zu begeistern, erwies sich lange als unmöglich. Nun scheint man einen neuen Ansatz gefunden zu haben.

Die neue Lokalität der Jungbürger/innen- und Volljährigkeitsfeier war nur eines von vielen neuen Elementen der Veranstaltung. Foto: Nathalie Guinand

Die neue Lokalität der Jungbürger/innen- und Volljährigkeitsfeier war nur eines von vielen neuen Elementen der Veranstaltung. Foto: Nathalie Guinand

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Discokugeln blinken von der Decke. Am üppigen Buffet werden Vegiburger verspeist und Stadträte erzählen von der Liebe. Die Szenerie ähnelt einer Seifenoper aus dem 21. Jahrhundert. In Wirklichkeit ist der Anlass realitätsgebundener.

Am Donnerstagabend wurde die Jungbürger/innen- und Volljährigkeitsfeier (JBF) zum ersten Mal mit einem neuen Konzept durchgeführt. Es gab kurze Reden, ehrliche Antworten, ein Quiz, Musik und Kino für die 124 Winterthurerinnen und Winterthurer mit dem Jahrgang 2000, die daran teilnahmen. 973 wurden eingeladen.

Tradition vs. Moderne

Traditionellerweise werden die neuen Erwachsenen an der Jungbürger/innen- und Volljährigkeitsfeier (JBF) über ihre Rechte und Pflichten in der Demokratie aufgeklärt. Dass die Partizipation der Jungen an dieser Demokratie nicht übermässig hoch ist, ist weitgehend bekannt.

Die Organisatoren der Feier spürten das in der Vergangenheit mit einer sinkenden Zahl von Teilnehmern. Das Interesse an einer simplen politischen Veranstaltung war nicht vorhanden. Dieses Jahr haben die Veranstalter reagiert.

«Es ist schön, die Stadträte einmal live zu sehen und mit ihnen zu sprechen»

Attraktiver, zeitgemässer und besser besucht als in der Vergangenheit. So lautete das Ziel der diesjährigen JBF. Um diesen Vorgaben gerecht zu werden, lud die Stadtkanzlei die frisch gebackenen Volljährigen nicht ins Rathaus, sondern ins Theater Winterthur.

Mit der Zusammenarbeit der Internationalen Kurzfilmtagen konnten die traditionellen Bestandteile wie die Vorstellung des Stadtrats mit zeitgemässeren Elementen vermischt werden. Dem Foyer des Theaters war die Neugestaltung anzusehen.

Was bedeutet Vitudurum?

Stehtische, Discoleuchten und Loungemusik sorgen für eine feierliche Atmosphäre. «Warum Winterthur?» ist die Frage des Abends. «Ich kam wegen meinem Studium am Technikum und blieb der Liebe wegen.» sagt Jürg Altwegg (Grüne). Die Millenials honorieren die ehrliche und einfache Antwort mit einem ebenso ehrlichen «Jööö» und mit Applaus.

Nach der traditionellen Vorstellungsrunde des Stadtrats gibt es ein Winti-Quiz. Via Smartphone können die Anwesenden teilnehmen. Es gibt einfachere und schwierigere Fragen. Ein Beispiel: «Was bedeutet Vitudurum?» Die drei Gewinner erhaltenkleine Preise. Der Spassfaktor steht im Vordergrund. Viele der Jungen kamen ohnehin ohne grosse Erwartungen.

Warum kamen sie trotzdem?

«Es gibt einen Apéro», sagte Lukas. «Es ist schön, die Stadträte einmal live zu sehen und mit ihnen zu sprechen», fand Mira. Diese Möglichkeit wird gut genutzt. Die Stadträte sind gefragte Gesprächspartner. Das vielfältige Buffet wird ebenfalls sehr gut aufgenommen. «Es gibt sogar Vegiburger» lobt eine junge Frau.

Um acht Uhr ist Kino-Zeit und man schaut sich gemeinsam Kurzfilme an. Der Abend endet danach, wie er begonnen hatte, in lockerer Atmosphäre im Foyer des Theaters. Auf der Seite der Veranstalter zieht man ein positives Fazit.

«Das neue Konzept für die Volljährigkeitsfeier hat funktioniert und es war ein gelungener Abend», sagte Peter Weber von der Kommunikationsabteilung der Stadt. Ähnlich war die Schlussfolgerung mehrer jungen Erwachsenen: «Es war interessant und hat Spass gemacht.»

(Der Landbote)

Erstellt: 08.11.2018, 16:47 Uhr

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