Berufswahl

Aus der Sek B in den passenden Beruf

Junge Erwachsene begleiten Schüler auf dem Weg ins Berufsleben, kostenlos und oft erfolgreich. Neu auch in Winterthur.

Raphael Tobler rockt Rock your Life in Winterthur.

Raphael Tobler rockt Rock your Life in Winterthur. Bild: Peter Ruggle

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Blerim will Automechaniker werden, so wie viele Jungs. Doch leider schreibt er in der Sekundarschule selbst auf der Leistungsstufe B miese Noten. Dann trifft er Raphael Tobler (31) vom Verein Rock your Life. Tobler führt Blerim Schritt für Schritt durch eine Entwicklung, die ihn vom Berufstraum zu einer realen Lehrstelle führt. Blerims Geschichte spielt in Zürich. Der Verein Rock your Life, der ein Lehrstellen-Coaching anbietet, ist seit dem neuen Schuljahr aber auch in Winterthur tätig. Blerims Mentor Tobler ist inzwischen im Vorstand des Winterthurer Ablegers von Rock your Life. «Wir hatten im Sommer das Ziel, fünfzehn Schüler mit je einem Mentoren oder einer Mentorin zusammen zu bringen. Jetzt haben wir sogar zwanzig Paare gefunden», sagt Tobler.

Langfristige Begleitung

Die Mentoren sind zwischen 23 und 30 Jahr alt. Die allermeisten sind Berufseinsteiger oder Studierende der Fachhochschulen. Diese jungen Erwachsenen standen also selbst einmal vor der Aufgabe, eine passende Lehrstelle zu finden. Mir dieser Erfahrung im Hintergrund begleiten sie ihre Schüler. Sie gehen mit ihnen zum Berufsberater, sie unterstützen sie bei Bewerbungsschreiben, sie machen sie auf Schnupperlehren aufmerksam. Parallel dazu helfen sie mit, die Schulleistung der Jugendlichen zu verbessern.

Die Begleitung dauert eineinhalb Jahre, vom Anfang der zweiten Sekundarklasse bis in die Mitte der dritten. Oft bleibt der Kontakt bis zwischen Jugendlichem und Mentor bis in die Lehrzeit hinein bestehen. Tobler sagt: «Die Berufswahl ist die erste eigene Entscheidung im Leben und gleich auch eine der wichtigsten.» Mentor oder Mentorin nehmen ihrem Schüler diese Weichenstellung nicht ab. Aber sie spornen die Schüler an, die Entscheidung bewusst selbst zu treffen. Darum auch der Slogan: Pack dein Leben, Rock your Life.

Tobler und seine Mitstreiter machen in den Klassen des zweiten Sekundar-Schuljahrs auf ihr Angebot aufmerksam. Das Coaching durch «Rock your Life» ist kostenlos. Die Mentoren arbeiten ehrenamtlich.

Ganz Junge mit Jungen

Vor allem für schwache Schüler schliesst Rock your Life eine Lücke. Die Lehrkräfte der Sekundarschule können nicht sämtlichen Schülern einer Klasse persönlich betreuen und ihnen eine Lehrstelle vermitteln. Zudem finden Jugendliche ihre Lehrer und Eltern oft streng und mühsam. Die Berufsberatung wiederum wirkt auf sie unpersönlich.

Oft sprechen die Jugendlichen mit ihrem Mentoren offener als mit den Eltern. Allein schon die Begegnung mit jungen Berufseinsteigern oder Fachhochschulstudenten ist für die 15-jährigen Schüler eine neue Erfahrung. «Wir sind die grossen Brüder oder Schwestern der Jungen», sagt Tobler. Einmal habe ihm eine Schülerin anvertraut, dass sie gerne in einem Hotel arbeiten würde: «Als sie dann erfuhr, dass ich eine Hotelfachschule abgeschlossen habe, hat sie das in ihrem Berufswunsch bestätigt», sagt Tobler.

«Die Berufswahl ist die erste eigene Entscheidung im Leben und gleich auch eine der wichtigsten.»Raphael Tobler
Mentor und Vorstand von Rock your Life

Wenn Rock your Life genug interessierte Lehrstellensucher und genug Mentorinnen (Frauen sind in der Mehrheit) gefunden haben, veranstalten sie jeweils eine Paarbörse. Dort finden Partner zusammen, die zueinander passen. «Normalerweise berät eine Frau eine Schülerin, ein Mann einen Schüler», sagt Tobler. Bereits zu Beginn des Mentorings gibt es einen Besuch beim Schüler zu Hause. «Die Eltern sollen wissen, mit wem ihr Nachwuchs einen Teil seiner Zeit verbringt», sagt Tobler. Die Begleiter wiederum erhalten einen Einblick, in welchen Verhältnissen der Schüler lebt. Viele Eltern zum Beispiel sind Ausländer mit mangelnden Deutschkenntnissen. Sie können ihren Kindern bei der Berufswahl nur wenig helfen.

Idee aus Deutschland

Rock your Life wählt seine Mentoren sorgfältig aus. Zuerst klären der Verein in einem persönlichen Interview, ob ein Bewerber geeignet ist. Dann folgen regelmässig Coachings durch professionelle Sozialpädagogen.

Rock your Life ist eine gemeinnützige Bildungsinitiative aus Deutschland. Hauptsitz ist München. In der Schweiz ist die Bewegung seit sieben Jahren tätig. Sie unterhält Ableger in sieben Städten, Winterthur eingeschlossen. In Zürich lernt Blerim unterdessen Maurer. Der Beruf macht ihm Freude. (Landbote)

Erstellt: 11.10.2018, 16:27 Uhr

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